Themen

Wer oder was sind die Neuen Deutschen?

Tisch 1:

Kontroverse Diskussion:

Einige Teilnehmer lehnen den Begriff ab, schließlich sei man "nicht neu, sondern hier geboren". Ein Biodeutscher fühlt sich durch die Formulierung ausgeschlossen. Ein junger Mann aus einer Einwandererfamilie erklärt, warum er die Abgrenzung wichtig findet: „Wir schließen damit die Alten aus. Neu ist immer positiv und diskriminiert das Dagewesene!“ Andere Befürworter argumentieren: „Wir brauchen einen Terminus, der jene Menschen beschreibt, die in Deutschland Diskriminierung erlebt haben – und zwar im Hinblick auf ihre Herkunft.“ Das Wort Diskriminierung könne man auch durch den Begriff der Differenzerfahrung ersetzen. Ein Beispiel: Menschen machen die Erfahrung, dass es nicht genügt, zu sagen, man komme aus Bielefeld oder dem Sauerland – weil der eigene Name doch „so exotisch“ klingt oder man eben nicht so aussieht wie „einer von hier“.

Das Ziel:

Irgendwann sollen auch die Neuen Deutschen „nur“ noch Deutsche sein. Das klappt jedoch nur, wenn ein Großteil der Mehrheitsbevölkerung das auch so sieht – und gleichzeitig die „andere Herkunft“ der Neuen Deutschen akzeptiert.

Wie müssen sich Förderstrukturen ändern - Wie kommen wir an Geld?

Tisch 2:

Was sind die aktuellen Probleme?

Strukturell problematisch finden die Teilnehmer die Konkurrenz unter den Trägern, die Wohlfahrtsverbände würden bevorzugt, die Fördermöglichkeiten seien intransparent, der bürokratische Aufwand zu hoch. 

Was können wir tun?

Die Vereine sollen sich vernetzen und ihr Wissen miteinander teilen. Ein Tipp eines Teilnehmers: „Wer statt eines Vereins eine Genossenschaft gründet, hat mehr finanziellen Spielraum und kann mehr Projekte realisieren.“ Außerdem müssen wir intensiver über die Themen Crowdfunding, Sponsoring (durch Unternehmen) und die Unterstützung durch Stiftungen nachdenken.

Wie organisieren wir uns: Struktur und Vernetzung?

Tisch 3:

Was sind unsere Ziele?

Die Teilnehmer wollen auch „Ansprechpartner für die Politik“ sein, dafür brauche man einen Dachverband. Eine Teilnehmerin schlägt vor, eine Plattform zu gründen, da ein Dachverband nur eine Person an die Spitze stellt. „Wir müssen aufpassen, dass alle gleichberechtigt sind, dass die Stimmen verschiedener Organisationen vertreten sind.“ 

Wie können wir diese Pläne umsetzen?

Eine Webseite soll entstehen – wobei es wichtig ist, sich auf drei, vier Kernthemen zu einigen und die Expertise der Neuen Deutschen Organisationen klar nach außen zu kommunizieren. Die einzelnen Themen könnten in Arbeitsgemeinschaften weiter bearbeitet und vertieft werden. Ein Teilnehmer sagt: „Wir bräuchten mehr Veranstaltungen, um uns zu definieren und ein Positionspapier zu entwickeln.“ 

Repräsentativität (am Beispiel der Quote)

Tisch 4:

Ausgangsfragen:

Wie lässt sich ethnische Vielfalt sichtbar machen?

Welche neuen Kategorien brauchen wir dafür?

Diskussion:

Ohne Zählung sind Quoten schwer messbar. Ist eine Erfassung via „racial data“ denkbar? 

Eine Diskussion darüber könne zu fruchtbaren Diskussionen, zum Aufbrechen der Gewohnheiten und neuen Bündnissen führen. Fazit: Eine Quote kann (wie die Frauenquote auch) ein geeignetes Übergangsinstrument sein. 

Geklärt werden muss allerdings:

Wie sichern wir innerhalb der Quote ethnische Vielfalt? Brauchen wir auch eine Quote für die religiöse Zugehörigkeit?

Vorschlag:

Die „Neuen Deutschen Organisationen“ sollen als hundertprozentig funktionierende Institution etabliert werden.

Medien und Berichterstattung: Wie prägen Medien die Vorstellungen über Migranten? Was läuft dabei falsch – und warum?

Tisch 5:

Herausforderungen:

  • Journalisten mit Migrationshintergrund können viele Themenschwerpunkte haben – sie dürfen sich von den Redaktionen nicht auf das Thema Migration „reduzieren“ lassen.
  • Mehr Redaktionen sollten an Workshops zu Migrationsthemen teilnehmen – und dabei auch ihre eigenen Ängste offen thematisieren und reflektieren. Interkulturelle Kompetenz sollte bereits Teil der Ausbildung sein.
  • Menschen aus Einwandererfamilien müssen selbstverständlich auch in den Fernseh- und Rundfunkräten vertreten sein.
  • Migranten müssen aktiv werden und sich beschweren, wenn ihnen diskriminierende Formulierungen und eine unsachliche Berichterstattung auffallen. 
  • Nur zwei bis drei Prozent der angestellten Journalisten in Deutschland haben einen Migrationshintergrund – deshalb wird viel zu häufig nur über Migranten geredet. Ein höherer Anteil an Journalisten aus Einwandererfamilien könnte die Berichterstattung verbessern.
  • Nachrichtensendungen folgen grundsätzlich der Logik: Good News is Bad News – die Berichterstattung über Negativbeispiele überwiegt (Beispiel: Islam).
  • Zu oft schüren die Berichterstattung und fiktionale Formate Vorurteile. Das schlimmste Beispiel der vergangenen Jahre: Die Opfer und Familien der NSU-Mordserie wurden selbst kriminalisiert. Zwei weitere Beispiele: Schwarze Schauspieler bekommen nur sehr selten Rollen, in denen sie akzentfreies Hochdeutsch sprechen dürfen. Und: „Menschen aus Einwandererfamilien werden selten „ohne ihren Hintergrund“ dargestellt, zum Beispiel „einfach“ als erfolgreiche Sportler oder Unternehmer.

Alt & Neu: Wie passt das zusammen?

Tisch 6:

Herausforderungen:

Wie binden wir den Nachwuchs ein? Für die Migrantenorganisationen ist das eine Überlebensfrage – denn jede Generation macht ihre eigenen Sozialisationserfahrungen. Eine wichtiger Punkt ist: Sagen die Neuen wirklich etwas Neues? Oder gehen sie an dieselben Themen einfach anders heran? Eine Teilnehmerin merkt an, dass ihr die alten binationalen Organisationen zu paternalistisch sind. Sie fühle sich als Perserin und als Deutsche. Ihr ist wichtig, „die guten Sachen aus der einen Kultur mit den guten Sachen aus der anderen Kultur zu verbinden“. Und sich dabei immer wieder bewusst zu machen: „Kulturen und Organisationen kommunizieren nicht, Menschen kommunizieren!“

Was trennt die neuen von den alten Organisationen?

Die Mitglieder der neuen Organisationen leben mit einer hybriden Identität, sie wollen gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Viele von ihnen möchten nicht mit den alten Migrantenorganisationen ihrer Eltern in einen Topf geworfen werden. Eine ostdeutsche Teilnehmerin merkt kritisch an, dass sie den Eindruck hat, die westdeutsche Identität sei auch bei diesem Thema das „Nonplusultra“.

Zusammenfassung von Fatema Mian

„Zwischen den alten und den neuen Organisationen und Verbänden gibt es manchmal doch sehr unterschiedliche Interessen, die nicht unbedingt miteinander vereinbar sind. Aber so ist das eben in unserer fließenden Gesellschaft.“

Bildung

Tisch 7:

Ausgangsfragen:

Was können wir tun?
Mit wem müssen wir sprechen?

Unsere Forderungen

  • Neue Narrative in den Schulbüchern: Die Gastarbeitergeschichte muss zum verbindlichen Lehrstoff werden. Ein weiteres wichtiges Thema, das bislang in den Schulen vernachlässigt wird, ist der Kolonialismus.
  • Um diese Erweiterung der Lehrpläne durchzusetzen, müssen wir auf verschiedenen Ebenen tätig werden: Wir müssen die Kultusministerkonferenz, die Bildungsministerien, Hochschulen, Schulen und Träger der politischen Bildung ansprechen. Außerdem braucht Deutschland dringend mehr Pädagogen mit Migrationshintergrund.

Neue deutsche Forderungen: Wohin mit unseren Ergebnissen? In die Mitte der Gesellschaft!

Tisch 8:

Diskussion:

Es gibt viele Möglichkeiten, uns und unsere Ergebnisse bekannt zu machen: Jede hier vertretene Organisation wird die Diskussionen in ihren eigenen Vereinen vorstellen, wir werden ein Positionspapier formulieren, können Abgeordnete zu einem Parlamentarischen Abend einladen und unsere Ergebnisse an politische Stiftungen weitergeben. Ein weitere Möglichkeit: Politiker machen ein Praktikum in einem unserer Vereine.

Wo liegen die Herausforderungen?

  • Wir müssen darauf achten, dass der Fokus nicht zu stark auf Berlin liegt, wir müssen dezentral agieren.
  • Eine weitere Gefahr in der Wahrnehmung: Eine sogenannte „Migrantenelite“ wird gesellschaftlich respektiert, Migranten der ersten Generation hingegen weiter ignoriert.
  • Wir dürfen uns selbst nicht mehr als Minderheit betrachten – und müssen darauf achten, dass die alten und neuen Organisationen ihr Wissen und ihre Erfahrungen austauschen.
  • Wir sollten unsere Stadträte, Bundestagsabgeordneten und auch Lehrer ansprechen, um das Thema noch bekannter zu machen.
  • Wir müssen dringend klären, wer unsere Ideen nach außen repräsentiert: ein Dachverband, jede einzelne Organisation oder jeder Einzelne?
  • Unsere Ideen müssen die Medien, Behörden, alten Migrantenvereine und die Multiplikatoren in der Bildung erreichen.